Buchvorstellung und Rezension: Südsternjahre 1-5 (Australien-Saga) von Rebecca Mali - Historischer Liebesroman

CAMBRIDGE, Mai 1880

 

In diesem Moment hasste Florence ihren Vater. Wäre sie noch einen Augenblick länger geblieben, hätte sie ihm vor seinem Gast laut die Meinung gesagt. Deshalb war sie nur wütend davongestürmt. Aus Professor Niles‘ Arbeitszimmer hinaus, durch die Flure der ehrwürdigen Universität von Cambridge, quer über den belebten Hof bis zu ihrem Lieblingscafé an der Bridge Street, wo sie völlig außer Atem ankam. Zum Glück gab es noch freie Tische, sonst

wäre sie an diesem Tag wirklich vollends verzweifelt. Florence hatte sich auf eine kleine schmiedeeiserne Bank gesetzt und gehofft, ihre Gefühle ließen sich so problemlos ordnen wie ihre Kleidung. Der Oberstoff aus Seide raschelte leise, als sie die dunkelgrünen Falten glatt strich. Am Saum ihres Ärmels haftete noch eine winzige, blau schillernde Feder. Florence zupfte sie ab und riss dabei versehentlich einen Faden aus dem Spitzensaum, der sich daraufhin hässlich kräuselte. Ruiniert. Zornig blies sie die Feder davon und sah zu, wie sie von einem schwachen Windzug durch das Café getragen wurde und schließlich im Rinnstein der kopfsteingepflasterten Straße liegen blieb. Vom Urwald Südamerikas in den Dreck der Gassen von Cambridge. Es war so absurd, dass Florence am liebsten laut aufgelacht hätte.

 

Anfang von Kapitel 1

 

Autoren-Information

Rebecca Maly wurde 1978 in Mülheim an der Ruhr geboren. Schon als Kind zog es sie bei Wind und Wetter hinaus in die Natur, wo sie Tiere beobachtete und sich Abenteuer ausdachte. Bis nach dem Abitur hat sie Geschichten vor allem in Zeichnungen und Liedern erzählt. Erst im Studium der Skandinavistik, Mediävistik und Archäologie erwachte das Interesse selbst zu schreiben und nicht nur zu lesen.
Zuerst verfasste sie Drehbücher, die sie ab 2004 für mehrere Praktika nach LA verschlugen, danach arbeitete sie bis 2008 als Lektorin für eine große kölner Filmproduktionsfirma.
2011 erschien ihr erster Roman unter dem Klarnamen Rebekka Pax, es folgten weitere im Genre Urban Fantasy und Krimi.
Als Rebecca Maly veröffentlicht sie seit 2012 auch sehr erfolgreich historische Romane. Die Recherche dazu führt sie immer wieder in entlegene Regionen.

2017 wurde ihr bei Rowohlt erschienener Roman "Die Schwestern vom Eisfluss" mit dem DeLiA Literaturpreis ausgezeichnet.
Die Begründung der Jury lautet dazu: Großartige Landschaftsbeschreibungen, authentische, dreidimensionale Charaktere und eine fesselnde Liebesgeschichte vor atemberaubender Naturkulisse prägen diesen spannenden historischen Roman. Die Geschichte ist so bildhaft beschrieben, dass man selbst das Gefühl hat, in Island tagelang über einsame Wege zu gehen, zu frieren, durchnässt zu sein, unter der Kargheit der Lebensumstände zu leiden, ihnen stolz zu trotzen und dann, wenn es am unwahrscheinlichsten erscheint, Hilfe und Liebe zu finden.

    

Buchinformationen

Titel: Südsternjahre 1-5 (Die Australien-Saga)

 

Autorin: Rebecca Mali

 

Verlag: Edel Elements

 

Seitenanzahl: 372 Seiten

 

Erscheinungsdatum: 6. Juli 2017

 

Preis: 1,99€ je eBook 

Klapptext:

"Südsternjahre - Die Australien-Saga"


Die mutige Reise einer Forscherin Ende des 19. Jahrhunderts und eine bewegende Dreiecksgeschichte:
Cambridge, Mai 1880 / Die 27-jährige Florence Niles ist Wissenschaftlerin durch und durch - doch als Frau darf sie ihre Leidenschaft und Interessen für ferne Länder und Kulturen nicht frei ausleben. Auf Umwegen bekommt die Völkerkundlerin dann die lang ersehnte Chance: Sie geht eine Zweckehe mit dem wohlhabenden Ernest Furbish ein und plant mit ihm eine Forschungsreise nach Australien. Doch noch während der Überfahrt lernt sie einen attraktiven Schweden kennen, der die Zukunftspläne der sonst so zielstrebigen Forscherin gehörig durcheinanderbringt und bald nicht nur ihre Expedition gefährdet  ...


"Südsternjahre" ist eine ergreifende Lovestory und zugleich die Entwicklungsgeschichte einer außergewöhnlichen Frau, die ihrem Herzen folgt!

    

Rezension

Der neuste Roman Südsternjahre von Rebecca Mali spielt am Ende des 19, Jahrhunderts, in welchen Frauen noch dazu bestimmt waren, den Haushalt zu führen und Kinder groß zuziehen. Studieren war nur wenigen von ihnen vergönnt und einen Abschluss an einer Universität undenkbar. Gebildete Frauen waren in dieser Zeit nicht sonderlich gern gesehen und hatten es somit schwer einen Mann an ihrer Seite zu finden.

 

Florence Niles ist 27 Jahre jung und eine der wenigen Frauen, welche aufgrund der Stellung ihres Vaters als Professor, an der Cambridge University Völkerkunde studieren darf. Ihr Herz schlägt für die Wissenschaft und ihr Traum ist es einmal auf große Entdeckungstour zu gehen. Jedoch allein als Frau wird dies nie möglich sein.

 

 

Der Roman Südsternjahre ist in 5 Büchern unterteilt:

 

1. Buch (95 Seiten)

Dieses erzählt von der 27jährigen Florence Niles, welche noch in der Obhut ihrer Eltern lebt und Völkerkunde an der Universität von Cambridge studiert. Sie lernt auf einem Fest den bereisten Wissenschaftler Ernest Furbish kennen, welcher sie auf seine nächste Australienreise als Assistentin mitnehmen möchte. Jedoch geht dies nur, wenn beide sich vermählen. So heiraten sie und gehen kurze Zeit später auf die große Reise.

 

Der Roman ist bis jetzt sehr detailliert geschrieben. Jedes Bild und auch jede menschliche Regung ist haargenau erklärt. Dies bringt natürlich viel Länge im Text mit sich, was zwar sehr anschaulich für den Leser sein kann, aber manchmal auch langatmig wird. Ich persönlich mag mehr Handlung als Beschreibungen in einem Buch. Aber dies ist Geschmackssache.

Irritierend fand ich zudem, dass in den hinteren Kapiteln plötzlich aus dem Nichts heraus eine zweite Geschichte von Aborigines erzählt wird, die so schnell auftaucht, wie sie auch wieder verschwindet und später erneut wiederkehrt. Die Geschichte ist zwar interessant, aber den Sinn dahinter habe ich leider bis jetzt noch nicht verstanden.

 

Bis jetzt konnte mich dieser Roman, welcher übrigens aus der Beobachter-Perspektive erzählt wird, noch nicht richtig begeistern. Aber vielleicht steigert sie sich ja noch.

 

3 von 5 Sternen

 

 

Buch 2 (68 Seiten)

 

Dieser Teil des Romans Südsternjahre von Rebecca Mali ist etwas kürzer als Buch 1, aber dafür umso spannender.

 

Florence erinnert sich zuerst an die Zeit auf dem Schiff, Elche sie mit dem interessanten Schweden Magnus Fredrikssons und seinem Diener, dem Aborigine Tom, heimlich verbracht hat. Sie scheint wohl sehr verliebt zu sein. Zudem erzählt die Geschichte die Gefahren des australischen Outbacks und lässt die kleine Exkursionsgruppe ziemlich Schlimmes erleben. Sie treffen Tom wieder, welcher ihnen hilft im Outback zu überleben.

 

Insgesamt ist dieser Teil viel interessanter und aufregender als der Erste. Sogar der Hangover macht mehr Lust auf das nächste Buch. Ich bin nun sehr gespannt, wie und ob es überhaupt mit der Erkundungstour durch Australien weitergeht.

 

4 von 5 Sternen

 

 

Buch 3 (80 Seiten)

 

Dieses erzählt vorwiegend die Geschichte von Jarli und Tom, dem jungen Aborigine, welcher in jungen Jahren viel Leid durch die Weißen erfahren hat und nun glücklicher Weise zu seiner Sippe zurückgekommen ist.

 

Im Buch selbst gibt es einen Sprung von mehreren Jahren, welche nun Florence und Ernest schon im Outback Australiens verbracht haben.

 

Die Geschichte der Aborigines ist an sich ganz interessant, aber ich finde manche Sprünge im Buch irgendwie nicht nachvollziehbar. Da endet zum Beispiel ein Satz mit dem Vorhaben gerade zu Toms Zeremonie zu gehen und im nächsten Satz begibt sich Tom mit Ernest auf eine Reise zu den Weißen. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie ist mir dieses Geschichte zu unstrukturiert und viel zu sprunghaft.

 

Insgesamt fand ich zudem diesen Teil wieder weniger spannend und eher etwas langatmig.

 

3 von 5 Sternen

 

 

Buch 4 (64 Seiten)

 

Dieses ist wieder interessanter. Es kommt zu einem tragischen Unfall und daraufhin zu entscheidenden Ereignissen. Zudem öffnet sich Tom/ Jarli gegenüber Florence und berichtet ihr über das wahre Gesicht von Magnus Fredrikssons, mit welchem sie übrigens ihren geliebten Mann betrogen hat.

 

Die Geschichte wandelt sich mehr und mehr in Richtung des jungen, gebeutelten Aborigines Jarli hin, Er und seine Geschichte rückt immer mehr in den Vordergrund, so dass die eigentlichen Protagonisten Ernest und Florence im Fortlauf verblassen.

Eine wirkliche Liebesgeschichte konnte ich nun bis Buch 4 der Südsternjahre noch nicht so wirklich ausmachen. Florence ist zwar mit Ernest verheiratet und liebt ihn nun von Tag zu Tag mehr, zudem hat sie eine heimliche Liebschaft mit Mr Fredrikssons, aber im Groben und Ganzen macht diese Liebesgeschichte vielleicht 5% des kompletten Romans aus, so dass ich dieses Buch definitiv nicht als Liebesroman einstufen würde und auch der Klapptext eigentlich nicht zu der Grundgeschichte so wirklich passt.

 

4 von 5 Sternen

 

 

Buch 5 (65 Seiten)

 

In diesem Buch kommt erstmalig Pepp in die Geschichte und dieser Teil ließ sich auch schnell lesen.

 

Ernest kommt zufällig hinter den Betrug seiner Frau Florence und schickt sie in die Wüste. Zudem ist die Sippe von Jarli ernsthaft in Gefahr und kämpft ums Überleben.

 

Das Ende ist in vielerlei Hinsicht tragisch und schön zugleich.

 

4 von 5 Sternen

 

 

Insgesamt ist der Roman Südsternjahre von Rebecca Mali sehr durchwachsen. Als Liebesroman finde ich die Story zu schwach und als Landschaftsroman zu langweilig, da sich der größte Teil des Szenario in der Wüste abspielt und dort eigentlich alles gleich aussieht.

Die Geschichte von Jarli und seiner Sippe fand ich ganz interessant und irgendwie auch traurig. Das Schicksal der Aborigines ist sehr anschaulich und erschütternd dargestellt.

 

Zeitweise habe ich mich aber durch die Texte fast durchgequält, weil sie so langatmig und auch manchmal zu unstrukturiert waren. Mir persönlich gefällt auch die Aufteilung in fünf Büchern nicht, da ich unter anderen Umständen wahrscheinlich nach dem Ersten Buch schon aufgehört hätte mit Lesen. Die Hangover zwischen den Büchern waren nicht  immer so, dass ich unbedingt sofort hätte weiterlesen müssen.

 

Zusammengefasst gesagt, entspricht dieser Roman einfach nicht meinen Vorstellungen von einer packenden Story und war so einfach nicht mein Geschmack.

 

 

Ich möchte mich trotzdem recht herzlich bei dem Verlag Edel Elements für die Rezensionsexemplare bedanken. Auch wenn der Roman an sich nicht meinen Geschmack getroffen hat, fand ich die Story der Aborigines sehr interessant.

 

Vielen Dank!

    

Bewertung

3 von 5 Sternen

    

Kommentar schreiben

Kommentare: 0